Frauen gründen anders und seltener als Männer – eine Wahrnehmung, die in der Vergangenheit immer wieder zu Diskussionen führte.  Wie ist es also hierzulande um die Gründerinnen-Szene bestellt?

Text: Carolin Schäufele | Foto: iStock

Frauen überlegen länger, wollen alles im Vorfeld abgeklärt und abgesichert haben, um mögliche Unsicherheiten auszuschließen, so die landläufige Meinung. „Ich erinnere mich an meine eigene Gründung“, erinnert sich Meike Diesing, die 2017 die Marketingagentur MARKARIX Marketing Development gegründet hat. „Ich habe ein Jahr vorher begonnen, mir ein Netzwerk aufzubauen und Kontakte zu knüpfen.“ So richtig gegründet habe sie erst mit der Anmietung des Büros im Gründerzentrum Fidt in Kassel. „Ich habe einen gebrauchten Schreibtisch in mein Büro gestellt und mein Konzept geschrieben.“

Diesing gehört mit dieser Vorgehensweise nicht zum Durchschnitt. Frauen liegen nach wie vor bei der Gründung des eigenen Unternehmens und im Bereich Selbstständigkeit weit hinter den Männern zurück. Laut Bundeswirtschaftsministerium liegt die Quote der selbstständig arbeitenden Frauen gerade mal bei 7 %, bei Männern um die 12 %. Besonders gravierend macht sich der Unterschied in technologieorientierten Bereichen bemerkbar. Hier liegt der weibliche Anteil mal gerade bei 14,6 %.

Aber Frauen entdecken das Gründen für sich, so der erste Female Founders Monitor, der in diesem Jahr auf der Cebit vorgestellt wurde. Nach der Erhebung des Bundesverbands Deutsche Start-ups e. V. hat sich der Anteil von gründenden Frauen kontinuierlich erhöht und liegt nach aktuellen Zahlen bei 14,6 % und bei 28 % bei Mitgründerinnen.

Eine weitere Erkenntnis ist, dass Frauen die Dinge immer häufiger selbst in die Hand nehmen: Sie gründen allein und kommen ohne große externe Kapitalaufnahme aus. Und: Frauen wollen schnell erfolgreich sein. Sie versprechen sich dadurch Sicherheit, die ihnen dann auch diverse berufliche Freiheiten gewährt.

Das liebe Geld … >>> Wer das eigene Unternehmen schnell aufbauen möchte, der braucht meist einiges an Startkapital. Und wenn das eigene Sparbuch nicht reicht, bieten einzelne Kommunen, Bund und Länder verschiedenste Möglichkeiten der Förderung an. „Frauen greifen relativ häufig auf Programme wie den ERP-Gründerkredit StartGeld, ERP-Gründerkredit Universell und Gründung, den Mikrokreditfonds Deutschland oder den Micromezzaninfonds zurück“, fasst das Bundeswirtschaftsministerium zusammen. Das Land Niedersachsen bietet mit dem MikroSTARTer ebenfalls einen Kredit an, der in erster Linie für weibliche Gründer eingerichtet wurde.

„Einen großen Kredit aufnehmen wollte ich nicht, ich habe lediglich die Unternehmensgründungsberatung mit Unterstützung des rkw Hessen in Anspruch genommen“, so Diesing. Ihr ursprünglicher Plan war, sich in ein Unternehmen einzukaufen, eine Nachfolge anzutreten. „Diese Idee habe ich ein Jahr lang verfolgt, allerdings ohne positiven Abschluss.“ Der Schritt in die Selbstständigkeit war für sie dann Plan B.

Weltspitze nicht ohne Frauen >>> „Ohne Frauen wäre der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht Weltspitze“, betont auch Brigitte Zypries, die ehemalige Bundeswirtschaftsministerin im Rahmen des Female Founders Monitors. Vor diesem Hintergrund wurden in den vergangenen Jahren auch diverse Projekte gestartet, die Frauen motivieren sollen, selbst zu gründen.

Frauen brauchen demnach immer noch wesentlich mehr Anstoß, den eigenen Ideen zu vertrauen und sich damit nach außen zu trauen. Die Wege in die eigene Selbstständigkeit sind vielfältig. Einige Frauen wussten von Beginn ihrer beruflichen Laufbahn an, dass für sie nur die Selbstständigkeit infrage kommt, andere haben im Laufe einer Anstellung den Weg für sich entdeckt, und wieder andere gründen aus einer Zwangssituation heraus.

Führungsverantwortung im beruflichen Umfeld zu übernehmen, das ist das Ziel der Projekte und Programme der verschiedenen Initiativen und Einrichtungen. Messen, Kongresse, Wettbewerbe, Awards, Ausschreibungen, Gründerinnenfrühstücke, die Suche nach Vorbild- Unternehmerinnen, Gründerinnenpreise in den einzelnen Bundesländern – das alles soll Frauen animieren, ihren eigenen Weg zu gehen und zu gründen.

www und die Vorteile >>> Bei all diesen Angeboten bieten die Digitalisierung und der damit einhergehende gesellschaftliche Wandel Chancen, die es nur zu ergreifen gilt. Denn noch nie war es so einfach, ein Unternehmen zu gründen und zu führen. Die digitale Technologie macht es möglich. Doch viele Frauen halten an den althergebrachten Methoden und Tools fest. „Da spricht man mit Frauen in Führungspositionen, die Digitalisierung predigen, selber aber mit einem Stapel Zettel daherkommen“, zeigt sich Social-Media-Expertin Katja Brößling verwundert. Sie hat vor zwei Jahren den Weg in die Selbstständigkeit gewählt und das Unternehmen agentur140 ins Leben gerufen. Im Rahmen ihrer Anstellung war sie unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen: „Daraus erwuchs der Wunsch, meine eigene Chefin zu werden.“ Nach einigen Umwegen hat sie sich im Bereich PR selbstständig gemacht und sitzt nun in ihrem eigenen Homeoffice. Den technischen Schnickschnack hält sie klein. „Wozu brauche ich ein großes, externes Büro oder viel Equipment? Ich habe mich eingearbeitet und mich komplett digitalisiert.“ Ob Kalender, Chats mit Kolleginnen, Cloudspeicher oder Tools bei der Erfassung von Arbeitszeiten, Brößling setzt auf die Vorteile des Internets: „Das Einzige, was das Internet nicht bietet, ist der persönliche Kontakt; da muss man sich gut aufstellen und den Kontakt zu Kunden und Netzwerken suchen“ – für die gebürtige Berlinerin eine Selbstverständlichkeit. Sie reist von Event zu Netzwerkveranstaltung und stellt sich und ihre Arbeit vor. Ebenso Diesing, die als Vorbereitung auf die Selbstständigkeit viel Netzwerkarbeit geleistet hat.

Nicht gleich aufs Ganze gehen >>> Wie wäre es, im Nebenberuf zu gründen? Viele Frauen, die selbstständig sein wollen, gründen neben ihrer Festanstellung. In Großbritannien haben die Frauen bereits die Zeichen der Zeit erkannt. Dort liegt der Gründerinnenanteil bei 30 %. Die Vorteile liegen auf der Hand: Finanzielle Absicherung, bereits vorhandene Geschäftskontakte, gute Marktkenntnisse und das Wissen, was funktioniert und was nicht.

Genau wie das Gründen im Hauptgewerbe können für eine Gründung im Nebengewerbe Förderungen beantragt werden. Darunter fallen BAFA „Förderung unternehmerischen Know-hows“ und Gründerkredite. Die Initiative „Deutschland startet“ bietet einen Fördercheck an, der Möglichkeiten der Unterstützungen aufzeigt. Schauen lohnt sich!

 

Hilfestellung

Wer gründet, hat jede Menge Fragen. Das Bundeswirtschaftsministerium hat eine umfassende Internetseite erstellt, die eine Übersicht über die unterschiedlichsten Gründungswege zu freiberuflichen Tätigkeiten o der einer Unternehmensnachfolge bzw. -übernahme. Es gibt einen Überblick über Förderprogramme und Hilfestellungen zum Businessplan.

Auch steuerliche Tipps, Marketingstrategien und Checklisten zu E-Business sind unter www.existenzgruender.de zu finden.

Social Media

Wer sich für Gründer-Communitys interessiert, hat sowohl auf den Social-Media-Plattformen wie Twitter und Facebook zahlreiche Möglichkeiten. Gerade für Gründerinnen finden sich bei Facebook viele Gruppen, in denen sich Frauen gegenseitig austauschen und helfen. Einige Beispiele sind die mompreneurs, Frauen Business Lounge, Frauen-Business-Netzwerk, Madame Moneypenny oder Social Media Fragen & Antworten.