Bente Theuvsen – eine ehemalige „trends&fun“-Redakteurin – arbeitet heute als Künstlerin, Illustratorin und insgesamt „seltsame Person“ in Berlin. Unter anderem zeichnet sie großartige Sketche über das tägliche Leben mit ihrer Tochter.

Interview: Ulrich Drees | Sketche: Bente Theuvsen

Bente, wie entstand die Idee, aus dem Zusammenleben mit deiner Tochter eine Serie von Sketchen – bzw. was wäre eigentlich der Fachbegriff dafür – zu machen?

Meine Tochter ist einfach eine ziemlich coole Sau. Natürlich sagen das alle Eltern irgendwie über ihre Kinder, aber Marlene ist schon eine herausragend coole Sau. Ich bin nicht so der sentimentale Typ und führe kein Tagebuch, wann sie wo und wie ihr erstes Wort gesprochen oder ihre erste Windel vollgemacht hat. Stattdessen habe ich aufgeschrieben, wenn sie mal wieder Papa verarscht oder Mama blamiert hat. Ich habe irgendwann angefangen, kleine doodles daraus zu machen. Ursprünglich sollten das Sketche für die Familie bleiben, letztendlich ist etwas Größeres daraus gewachsen. Offiziell nennt man das Einzelbild-Cartoons, musste ich aber selber nachschlagen.

Warum hast du dich für den Stil und die Form entschieden, die du da umsetzt?

Ich bin Mama und habe daher kaum Zeit für weitschweifende persönliche Projekte. Daher sind diese Einzelbild-Cartoons ein guter Weg, zeiteffektiv und prägnant einen Moment zu erzählen. Außerdem besteht mein Publikum auch größtenteils aus Eltern, die genauso wenig Zeit haben. Ich habe mich an einem Punkt ganz bewusst dafür entschieden, bei Einzelbildern zu bleiben. Die erscheinen nämlich online auf Facebook, Instagram usw. und da gilt #wenigzeit. Mir haben schnell viele Leute geschrieben, dass sie die Stimmung in meinen Bildern mögen. Das hat mich total gefreut. Ich möchte den Leuten ein bisschen Selbstironie und ein warmes Gefühl in den Tag mitgeben, sodass man denkt  „Hach, so mit Kindern, das ist schon schön.“ Ich finde auch den Gedanken schön, dass Marlene irgendwann, wenn sie groß ist, solche Bilder von sich und ihren Eltern hat, mit klitzekleinen Schnipseln aus unserem Alltag. Ich stelle mir das toll vor. Da werd ich auch ein bisschen rührselig.

Mit welchen technischen Mitteln arbeitest du? Wie entsteht ein Bild?

Meine Comics zeichne ich digital an meinem iPad Pro. Ich gehe meine Notizen durch und gucke, was mich so anspringt, wozu ich direkt ein Bild im Kopf habe, und dann fange ich an, Posen zu skizzieren. Dafür geht die meiste Zeit drauf, da der Fokus allein auf den Charakteren liegt. Erst durch die Pose entsteht die Energie und Dynamik. Das muss jeder Zeichner auf die harte Tour lernen: Schwups, und dein Bild sieht langweilig aus. Bis zur Vollendung muss natürlich mein Mann immer mal wieder peinlich posieren oder einen Blick draufwerfen und mir sagen, wie er es findet. Je nach Antwort bin ich dann zufrieden oder genervt.

 

Hat sich wirklich ereignet, was du zeichnest?

Ja.

Weiß deine Tochter, dass ihre Mutter sie berühmt macht?

Wir versuchen, ihren Social-Media-Konsum noch ein paar Jahre hinauszuzögern. Da wartet dann eine böse Überraschung auf sie.

Wie reagieren die Menschen, insbesondere andere Mütter oder Väter?

Die Solidarität zwischen Eltern ist sehr stark, und alle Kinder tun ihren Eltern im Grunde dasselbe an. Von daher erreichen mich fast täglich Nachrichten von Müttern oder Vätern, die mir schreiben, wie sehr sie ihre eigenen Kinder in meinen Comics wiederfinden. Es beruhigt sie zu wissen, dass es uns im Grunde allen gleich geht. Oft erzählen mir auch viele ihre eigenen Anekdoten.

Wäre mal ein Buch mit den Illustrationen denkbar? Oder eine fortlaufende Geschichte?

Ein Buch ist in Planung und sogar ein großer Wunsch von mir. Es wird aber weiterhin bei den Einzelbildcartoons bleiben. Also Klolektüre statt Prosa.

 

Sind diese Arbeiten typisch für deinen Stil? Was machst du sonst noch?

Ich habe lange Zeit vieles ausprobiert und nach meinem Stil gesucht. Ich bin auch mal ins Malerische gegangen, aber das liegt mir nicht sehr. Mein Schwerpunkt war fast immer das Comiczeichnen, darin fühle ich mich einfach am wohlsten. Ich mache hin und wieder Auftragsarbeiten und entwickle am Berliner Theater „Heimathafen Neukölln“ regelmäßig Live Graphic Novels mit. Da sitze ich während des Stückes an einem alten Polylux und male mit Tusche live das Bühnenbild. Zur Entspannung male ich auch gerne mit Aquarellfarben. Meine Arbeiten unterscheiden sich über die Jahre hinweg stark voneinander, aber die kräftigen Farben und der Hang zum Verspielten begleitet mich schon lange.

Du bietest deinen Fans an, dich über patreon zu unterstützen. Was ist das und wie bist du auf die Idee gekommen?

Patreon ist eine Seite, auf der Leute Künstler finanziell unterstützen können. Seit Social Media sind wir es gewohnt, Kunst gratis zu konsumieren. Früher hat man sich einen Comic oder ein Heft gekauft und damit den Künstler automatisch unterstützt. Als selbstständiger Künstler bist du sowieso sehr damit beschäftigt, deine sämtlichen Social-Media-Kanäle auf dem neuesten Stand zu halten. Jetzt kommt dazu Patreon, wo du im Prinzip dasselbe machst, nur dass Leute dir dafür auch Geld geben können. Das gibt mir die Möglichkeit, nicht nur von Auftragsarbeiten abhängig zu sein. Mein Wunsch ist es, in Zukunft einen größeren Teil meiner Arbeitszeit in die Mutter-Kind-Comics investieren zu können. Hier liegt meine Leidenschaft, und ich habe gemerkt, dass ich auch andere Menschen damit berühren kann; und was gibt es Schöneres, als andere Menschen zu berühren? Also im übertragenen Sinne.

 

Bente …

Geboren 10.11.1988 in Bad Kreuznach

2008 von Göttingen nach Berlin gezogen

2009 Praktikum Bühnenbild in der Deutschen Oper

2011-2012 Studium an der Games Academy im Bereich Art&Animation

seit 2014 Live Graphic Novels am Heimathafen Neukölln, Berlin

Seit vielen Jahren selbstständige Künstlerin

 

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